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Aktuelle Nachrichten von der FAB e.V.

 
 

Aus dem Archiv


Jubiläum
25.01.2012

FAB e.V. wird 20 Jahre alt, FAB gGmbH 10 – das feiern wir mit vielen Gästen am 'Jubeltag' 11.05.2012 ab 16.00 Uhr.


Wir freuen uns, an dieser Stelle den Redebeitrag von Gerhild Brüning, Sprecherin des Vorstandes FAB e.V. vorzustellen.

Vom Müsli-Erlaß zum Dienstleistungsunternehmen. Rückblick auf 20 Jahre FAB ...



Sehr geehrte Frau Gnadl, sehr geehrter Herr Betschel-Pflügel

Meine sehr verehrten Damen und Herren, liebe Gäste



Vor 20 Jahren wurde FAB gegründet. Es waren bewegte und sehr erfolgreiche, wenn auch oft schwierige Jahre. Seit knapp 13 Jahren gehöre ich dem Vorstand des e.V. an. Mit mir im Vorstand sind Ulla Becker und Dr. Barbara Kamp. Ich möchte aus der Vorstands-Sicht einen kurzen Rückblick versuchen.


Die Gründungs- Idee beruhte auf zwei sehr unterschiedlichen Bedingungen. Die Situation von Frauen auf dem Arbeitsmarkt war Anfang der 90er Jahre in keiner Weise zufrieden stellend. Im übrigen ist sie auch heute noch nicht so, wie wir Frauen es uns wünschen. Für Frauen war es schwierig, überhaupt in den Arbeitsmarkt einzusteigen, sei es nach der Familienphase, die eine Unterbrechung der vorherigen beruflichen Tätigkeit nach sich zog, sei es, dass ein beruflicher Einstieg aufgrund fehlenden fachlichen Hintergrunds kaum möglich war.


Der zweite Grund lag in der unzureichenden Verköstigung von Schülerinnen und Schülern in der Schule. Es gab kein Angebot von gesundem Essen. Der Kreistag reagierte darauf mit dem Müsli-Erlass. Dieser Ausdruck ist in der Wetterau mittlerweile zu einem geflügelten Wort geworden. Der Erlass führte zur Gründung von FAB e.V. mit dem Ziel, durch Schul-Kioske mit gesundem Angebot zur Verbesserung der Essensversorgung an Schulen beizutragen. Als Zielgruppe – so das Projektantrags-Deutsch – sollten langzeitarbeitslose und/oder benachteiligte Frauen angesprochen werden.


Sie wissen, wie schwierig Anfänge sind: die Idee muss konkretisiert werden; es müssen Frauen und Organisationen gefunden werden, die einen entsprechenden Verein gründen (das geschah im Mai 1992); es müssen Schulen gefunden werden, die an der Umsetzung interessiert sind; ein Projektantrag muss geschrieben werden, um die Finanzierung sicherzustellen. Alles das wurde im ersten Jahr umgesetzt. Es wurden Räume in Reichelsheim gefunden und am 1.10.1992 konnte das Projekt endlich beginnen. Einer der ersten Kioske wurde in dieser Schule, hier in Konradsdorf, eingerichtet.


Ohne die Unterstützung des damaligen Frauenamtes unter der Leitung von Birgit Simon, des Frauenbündnisses, vieler engagierter Frauen und nicht zuletzt von Rolf Gnadl, hätte FAB die ersten Jahre nicht überstanden. An dieser Stelle möchte ich meinen herzlichen Dank an alle aussprechen, die so engagiert beim Aufbau von FAB beteiligt waren. Schon bald nach der Gründung gab es auch eine Beratungsstelle für Wiedereinsteigerinnen mit akademischem Hintergrund.


FAB aquirierte im Laufe der Zeit immer mehr Projekte. Die Räume in Reichelsheim wurden zu klein: Umzug nach Selters in den Millionenweg. Mittlerweile wurde auch Essen für Kindergärten angeboten. Die dafür notwendigen Küchen wurden in Selters und in Stockheim gefunden. Neben die praktische Tätigkeit wie z.B. die Essensvorbereitung und der Verkauf trat selbstverständlich auch eine Qualifizierung: wie sind die Hygienebestimmungen? Wie sind Schüler und Schülerinnen ansprechbar? Wie ist das mit der Kassenführung?


Die Projektabhängigkeit bedeutete und bedeutet auch heute noch keine Planungssicherheit für Beschäftigungsinitiativen. Es musste immer wieder nach neuen Projektideen und –Programmen gesucht werden. Um diese Unsicherheit so klein wie möglich zu halten, stellte sich FAB auf mehrere Füße: Es gab Projekte wie z.B. die Unternehmerinnenmesse, weitere Schulkioske (1999 gab es bereits 12), das Café Sonnenschein in Selters, Noki- Kinderbetreuung, um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu erleichtern. Es etablierte sich aber auch ein umfassender Bildungsbereich: Verstärkung des Ausbildungsbereichs in Küche und Hauswirtschaft (2003 13 P. in Ausbildung), Integrationskurse, Kurse für berufsbezogenes Deutsch, freie Bildungsangebote für Frauen in der Akademie, Fahrdienste mit Prüfungsmöglichkeiten für Personenbeförderung und vieles mehr. Einige der vielen kreativen Projekte finden sie auch heute noch bei FAB.


Von der Georg-Vatter-Schule konnte 2001 die Großküche angemietet werden, denn mittlerweile hatte es sich herumgesprochen, dass FAB sich auf Essen für Kita-Kinder spezialisiert hatte. D.h. FAB berücksichtige die Essgewohnheiten von Kindern und bot gesundes und ausgewogenes Essen an. Das wurde von den Eltern honoriert. Heute werden täglich ca. 1400 Essen gekocht.


Die Ausweitung der Aktivitäten und der Projekte von FAB führte zu umfangreichen Diskussionen innerhalb des Vorstands. Aus einem e.V., der sich mit Projekten am Leben erhielt, war ein veritables Dienstleistungsunternehmen geworden. Die zunehmende Größe von FAB ließ es geraten sein sich eine andere Gesellschaftsstruktur zu geben. 2002 war es dann so weit. Aus dem e.V. heraus wurde die gGmbH gegründet mit Gila Gertz als Geschäftsführerin. Seit 1999 bereits war sie mit einem „Geschäftsbesorgungs-Vertrag“ betraut.

In der gGmbH war der e.V. Hauptgesellschafter. Und hier möchte ich einem weit verbreiteten Missverständnis entgegentreten: der Kreis war nie Gesellschafter, auch wenn es in der Öffentlichkeit häufig so dargestellt wird. Aber selbstverständlich gibt es eine enge Zusammenarbeit mit dem Kreis. Er ist einer der wichtigsten Auftraggeber. Ich möchte nur an die Integrationshelfer erinnern, die bei FAB unter Vertrag sind und die die Pflichtaufgabe des Kreises in diesem Bereich ausführen. Die Zusammenarbeit mit der Kreisverwaltung und dem „Arbeitsamt“ (heute Jobcenter) waren dabei unabdingbar und von gegenseitigem Vertrauen getragen, auch wenn die Kooperation nicht immer so lief, wie FAB es sich gewünscht hätte.


Selters wurde zu klein. 2004 wurden in Echzell alle Bereiche zusammengeführt, was die Organisation erheblich erleichterte. Und 2010 schließlich wurde der Firmensitz nach Friedberg, in den Grünen Weg, verlegt.


Beschäftigungsinitiativen führen ein unstetes leben. Sie sind auf die Zuweisung von Projekten und damit Mitteln angewiesen. Auch eine qualitativ gute Arbeit und Ausführung ist keine Garantie für eine erneute Zuweisung. Um zu überleben, sind sie gezwungen, ein feines Ohr zu entwickeln, welche Bereiche des Arbeitsmarktes berufliche Perspektiven für ihre Zielgruppen –für FAB vor allem Frauen - bieten könnten. Und sie sind gezwungen ihre Strukturen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Anforderungen anzupassen.


Diese Herausforderungen sind nur mit einer hoch motivierten Mannschaft oder besser Frauschaft zu meistern. Mein ganz herzlicher Dank gilt daher allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern von FAB, die mit großem Engagement, Geduld und Vertrauen FAB tragen und weiter entwickeln. Mein Dank gilt auch den Geschäftsführerinnen Gila Gertz und Karin Frech. Gila Gertz hat 10 Jahre lang die Geschicke von FAB gelenkt. Ihr sind der gute Ruf, die Kreativität und damit die Bekanntheit von FAB über den Wetteraukreis hinaus zu verdanken. Seit 2009 ist Karin Frech am Ruder. Sie hat es glücklicherweise geschafft, finanzielle Klippen zu umschiffen.

Die wirtschaftliche Entwicklung ist gesamtgesellschaftlich gesehen für Deutschland zwar positiv. Für FAB hat sie allerdings zusätzliche finanzielle Probleme gebracht, so dass weitere strukturelle Veränderungen im Einverständnis mit dem ehrenamtlichen Vorstand und den Mitgliedern des e.V. auf den Weg gebracht geworden sind. Durch das große Engagement von Karin Frech haben diese Veränderungen die finanzielle Situation und die Zukunftsfähigkeit von FAB gefestigt. Immerhin ist FAB ein mittelständisches Unternehmen in der Wetterau mit über 200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Dafür danke ich Dir, Karin und allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, im Namen des Vorstandes, sehr, sehr herzlich und wünsche FAB und Euch für die Zukunft alles Gute.


Danke schön!



Karben, den 11.05.2012

 

 

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