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Aktuelle Nachrichten von der FAB e.V.

 
 

Aus dem Archiv


Einläuten des internationalen Frauentags
12.03.2018

100 Jahre Frauenwahlrecht
am 7.3.18 um 15 Uhr in Lißberg/Ortenberg


Liebe Frauen, liebe Gäste,

auch ich möchte Euch/ Sie im Namen von FAB e.V. begrüßen und Euch einen abwechslungsreichen Nachmittag wünschen.



Wie schon gesagt worden ist, feiern wir heute doppelt: zum einen Läuten wir den internationalen Frauentag ein, den es seit 1911 gibt – und der auch schon bei FAB Tradition hat. Zum anderen feiern wir in diesem Jahr das 100jährige Bestehen des Frauenwahlrechts. Im November 1918 wurde das allgemeine Wahlrecht für Frauen zum Gesetz und am 19.1.1919 durften Frauen zum 1. Mal den Reichstag mitwählen und auch selbst gewählt werden d.h. sie hatten jetzt das aktive und passive Wahlrecht..


Ich komme zu den Veranstaltungen des letzten Jahres.


So einfach, wie es sich jetzt sagen läßt, so einfach ist es natürlich nicht gewesen. Die Frauen – nicht nur in Deutschland – haben lange dafür kämpfen müssen. Das erste Mal, dass eine Frau sich für die politische Berücksichtigung von Frauen eingesetzt hat, ist von der Französischen Revolution überliefert. Olymp de Gouges trat bereits 1791 für die Rechte der Frau und Bürgerin ein, weil immer nur Männer Rechte bekamen. Als sie für die Nationalversammlung zu unbequem wurde, wurde sie hingerichtet.


Nach der Revolution von 1848 in Deutschland, als es ein liberaleres politisches Klima gab, setzten sich vermehrt Frauen für ihre eigenen Rechte ein. Hedwig Dohm prägte 1876 den Satz „Menschenrechte haben kein Geschlecht“. Diesen Satz sollten wir uns auch heute noch immer wieder in Erinnerung rufen.


Aufgrund des Sozialistengesetzes von 1850, das Frauen die politische Betätigung und Vereinsgründung verbot, umgingen die mittlerweile zahlreichen Frauenvereine diese Einschränkung und bezeichneten sich nun als Wohlfahrtsvereine oder kulturelle Vereine. Viele der Frauenvereine gründeten Zeitschriften, in denen sie vehement, ausgesprochen kreativ, auch ironisch und mit bissigem Humor für ihre Ziele kämpften, wohl wissend, dass sie dadurch vielen Anfeindungen, Repressalien und Verfolgungen ausgesetzt sein würden.


Louise Otto-Peters (1819 -1895) war mit eine der ersten, die die Themen Frauenarbeit, Frauenbildung, Frauenemanzipation zu öffentlichen Themen machte. Jede Frau – so ihre Meinung - hat wie der Mann das Recht auf einen eigenen „Lebenszweck“. Sie setzte sich intensiv für Frauenbildungsvereine ein.


Eine ähnliche Position bezog Helene Lange (1848-1930): Für bürgerliche Frauen war eine berufliche Tätigkeit damals gesellschaftlich nicht vorgesehen. Mädchen aus gutem Hause wurden zu ihrer Zeit gezwungen „brachliegen zu bleiben“ - auf einen Mann zu warten, sich mit Handarbeit die Wartezeit = das Leben zu „vertreiben“ und dahin zu vegetieren als Geschöpfe für den Mann, ohne Aussicht auf Selbstverwirklichung. Lediglich als Lehrerinnen konnten sie tätig werden, aber nur als Pädagoginnen 2. und 3. Kategorie, weil sie nicht rechnen, nicht logisch denken und Diskussionen nicht folgen könnten – so die Meinung der Männer. Dieser Kampf um den Zugang zur Bildung – zugespitzt in der Diskussion um die Lehrerinnen, ihre Ausbildung, ihre Arbeitsmöglichkeiten, ihre Bezahlung sowie ihre Alterssicherung hat das ganze Leben von Helene Lange durchzogen. Trotzdem war für sie klar: die Ehe ist das Höchste.


Eine völlig andere, sogar gegensätzliche Position hat Clara Zetkin (1857-1933) eingenommen, die sich als proletarische Frauenbewegung bezeichnen läßt: Sie hatte eine Lehrerinnenausbildung gemacht und sich trotz des gerade in Kraft getretenen Sozialistengesetzes in der Sozialdemokratischen Partei engagiert. Sie setzte sich mit den Schriften von Karl Marx auseinander, insbesondere mit seiner Analyse der Frauenarbeit und stimmte seinen Forderungen zu, und zwar: Kein Kampf für das Verbot von Frauenarbeit, sondern vielmehr gemeinsamer Kampf von Männern und Frauen gegen den Kapitalismus, verbunden mit dem Ringen um besondere Schutzbestimmungen für die Frauen. „So wie der Arbeiter vom Kapitalisten unterjocht wird, so die Frau vom Manne; und sie wird unterjocht bleiben, solange sie nicht wirtschaftlich unabhängig dasteht.“ Sie forderte einen 8 Std.Tag, gleicher Lohn von Männern und Frauen für gleiche Leistung, Schonzeit für Schwangere, Einbeziehung aller Frauen in die Schutzgesetzgebung.


Zusammenfassend lassen sich um 1896 folgende Strömungen unterscheiden:
Die bürgerliche Frauenbewegung, die sich gemäßigt nannte, kämpfte für gleiche Berufsausbildung u. gleiche Berufstätigkeit für beide Geschlechter, die Möglichkeit, sich geistig auszuleben, für die Entfaltung der Individualität; sie steht auf dem Boden der gesellschaftlichen Ordnung; sie kämpft für die Rechte der Frauen, für den Abbau von Vorurteilen gegen die Minderwertigkeit von Frauen. Dennoch war für sie die Frauenfrage vor allem eine Kulturfrage, keine Rechtsfrage. Das Ziel war eine positivere Entwicklung der gesellschaftlichen Verhältnisse.
Proletarische Frauenbewegung: Sie wollte keinen Konkurrenzkampf gegen den Mann, sondern mit ihm gegen die Klasse der Kapitalisten kämpfen, in der Hoffnung, dass sich dadurch auch die Situation der Arbeiterinnen verbessern würde. Schutz vor Ausbeutung und gleichberechtigte Erwerbsarbeit; Diese Frauenbewegung wertete die Zugehörigkeit zu einer Klasse als ausschlaggebend für die Lage und die Lebensgestaltung der Frauen und nicht ihre Gemeinschaft als Geschlecht.


Zunächst gab es wenig Solidarität unter den Frauenvereinen. Jede Bewegung führte ihre eigenen Konferenzen und Veranstaltungen durch. Die Vernetzung sowohl der bürgerlichen wie der proletarischen Frauenbewegung national, europaweit und international war erstaunlich umfangreich und vielfältig. So veranstalteten die Sozialistinnen 1911 zeitgleich in Deutschland, Dänemark, Österreich, der Schweiz, Bulgarien und den USA den Internationalen Frauentag, den wir ja heute einläuten.


Der erste Weltkrieg unterbrach die internationale Zusammenarbeit. Nach seinem Ende, der Abschaffung des Kaiserreiches und der Entstehung der Weimarer Republik mit den anstehenden Parlamentswahlen trat das Thema des Wahlrechts von Frauen vehement in den Vordergrund.


Am 12.11.1918 beschloss der Rat der Volksbeauftragten endlich, Frauen das aktive und passive Wahlrecht zu gewähren. Wahlberechtigt waren demnach alle deutschen Frauen ab 21 Jahren. Am 19.1.1919 fanden die Wahlen statt. 82% der wahlberechtigten Frauen gaben ihre Stimme ab; 37 weibliche Abgeordnete zogen ins Parlament ein. Diese Frauenquote von knapp 9% wurde erst wieder im deutschen Bundestag von 1983 erreicht. Das Frauenwahlrecht war ein zentraler Schritt auf dem Weg des deutschen Staates zu einer vollständigen Demokratie Der Kampf für mehr Frauenrechte kann auch zurückgeworfen und rückgängig gemacht werden. 1933 entzogen die Nationalsozialisten den Frauen wieder das passive Wahlrecht .


Nach dem 2. Weltkrieg – 1949 – wurde das Grundgesetz geschaffen. Es wird immer von den Vätern des Grundgesetzes gesprochen und dabei die Frauen vergessen, die maßgeblich an seiner Formulierung mitgewirkt haben. Insbesondere Elisabeth Selbert ist es zu verdanken, dass der Artikel 3 Abs. 2 ins Grundgesetz übernommen wurde, und zwar: Frauen und Männer sind gleichberechtigt.


Damit ist die rechtliche Grundlage für Gleichberechtigung geschaffen. Aber das ist nur die eine Seite. Wie sieht es mit der konkreten Umsetzung aus? Auch heute noch gibt es eine lange Aufgabenliste, was zu tun ist: gleicher Lohn für gleiche Arbeit (equal pay day), Sexismus, Alltagsdiskriminierung, Verbesserung von Karrieremöglichkeiten, Armut von Alleinerziehenden, weibliche Altersarmut, um nur einige Themen zu nennen.


Ich komme zum Schluss! Mein Appell an alle Frauen: Nehmt Gleichberechtigung nicht als etwas Selbstverständliches an! Geht wählen – zumindest ! Engagiert Euch und tretet für Eure Rechte ein und für die Rechte anderer Frauen. Das Thema Gleichberechtigung ist längst nicht abgeschlossen – wir sind noch nicht da angekommen, wo wir sein wollen.



Gerhild Brüning



 

 

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